Bayern plant, in Kooperation mit dem Unternehmen Proxima Fusion, den weltweit ersten funktionsfähigen Kernfusionsreaktor zu bauen. CSU-Chef Markus Söder möchte die bei der Kernfusion entstehende Energie nach Fertigstellung des Forschungsreaktors für Deutschland nutzbar machen. Doch der Plasma- und Astrophysiker Harald Lesch äußert erhebliche Zweifel an der Realisierbarkeit dieses Vorhabens.
Lesch bezweifelt, dass Kernfusion in absehbarer Zeit eine praktikable Energiequelle sein wird. Er verweist darauf, dass Wissenschaftler seit Jahrzehnten an der Sternen-Energie forschen, ohne signifikante Fortschritte zu erzielen. Sibylle Günter, Generaldirektorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, schätzt, dass es bis 2050 dauern wird, bis Strom aus einem Kernfusionsreaktor aus der Steckdose kommt.
Derzeit gibt es zwei vielversprechende Konzepte für die Kernfusion: der Tokamak und der Stellarator. Lesch geht davon aus, dass sich der Stellarator langfristig als die realisierbare Methode erweisen wird, betont aber, dass auch hier noch zahlreiche technische Herausforderungen zu bewältigen sind.
Lesch kritisiert die Planung Bayerns, mit einem Budget von zwei Milliarden Euro einen funktionierenden Reaktor zu bauen. Er vergleicht dies mit den Kosten des ITER-Projekts, das voraussichtlich 20 Milliarden Euro kosten wird, und bezeichnet die bayerischen Pläne als „Magie“.
Ein weiteres Problem sieht Lesch in der Beteiligung von Start-ups, die einen starken Fokus auf Profitmaximierung legen könnten. Dies könnte zu Lasten der Sicherheit gehen, da Sicherheitsmaßnahmen kostspielig sind. Zudem sind Kernkraftwerke generell mit hohen Investitionskosten verbunden und benötigen einen kontinuierlichen Betrieb, um rentabel zu sein.
Lesch plädiert stattdessen für einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarkraft. Er weist darauf hin, dass Deutschland in der Vergangenheit Chancen bei der Entwicklung von Fotovoltaik-, Windkraft- und Batterietechnologien verpasst hat.
Sollte Bayern jedoch tatsächlich in der Lage sein, einen funktionierenden Fusionsreaktor zu bauen, wäre der Einfluss auf die globale Energiesicherheit gering. Kernenergie habe weltweit ohnehin nur einen Anteil von weniger als zehn Prozent an der Energieversorgung.
Frequently Asked Questions
Wann können wir mit Strom aus einem Kernfusionsreaktor rechnen?
Laut Sibylle Günter, der Generaldirektorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, ist dies „sicherlich nicht vor 2050“ zu erwarten.
Welche Probleme sieht Harald Lesch beim Bau eines Fusionsreaktors in Deutschland?
Er sieht ein Problem in der Beteiligung von Start-ups, die möglicherweise Kosten reduzieren und dabei die Sicherheit vernachlässigen.
Welche Alternativen zur Kernfusion schlägt Harald Lesch vor?
Er plädiert für einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarkraft.
Angesichts der Herausforderungen und der langfristigen Perspektive der Kernfusion, wie sehen Sie die Rolle erneuerbarer Energien bei der Sicherung der zukünftigen Energieversorgung?
